Multi-Audio-Videos: YouTube führt die Möglichkeit ein, mehrere Tonspuren zu einem Video hochzuladen!

Was lange währt… 2014 kündigte YouTube seinen international agierenden Partnern bereits ein bedeutsames Feature an: Multi-Audio. Damit haben Kanalbetreiber:innen die Möglichkeit, ein YouTube-Video mit verschiedenen Tonspuren zu versehen, um zum Beispiel einen Kommentartrack anzubieten oder – und hier wurde es für die großen Medienkonzerne interessant – ähnlich wie bei DVDs oder mittlerweile auf Netflix und anderen Streamern zwischen unterschiedlichen Sprachversionen zu wechseln.  

Der Vorteil liegt auf der Hand: Man hätte denselben Videoinhalt in Englisch, Deutsch, Koreanisch, Suaheli und vielen anderen Sprachen sowie mit Beschreibungstracks für Menschen mit Sehschwäche anbieten können. Doch das Multi-Audio-Feature wurde und wurde nicht fertig und verschwand schließlich 2017 von der Roadmap der YouTube-Entwickler. 

Multi-Audio-Videos bereits Ende September auf Gaming-Konferenz vorgestellt

Jetzt ist plötzlich ein neues Feature aufgetaucht, das sich anscheinend auf einigen wenigen Kanälen im Beta-Testing befindet: Multi-Audio-Videos. Also die lange versprochene Mehrsprachenfunktion. Eine Recherche zeigt, dass die Funktion bereits Ende September auf einer Gaming-Konferenz für Menschen mit Behinderung in Seattle vorgestellt wurde. Aufgefallen ist uns aber der Kanal „Netflix Anime“, der das Feature mindestens seit Ende Januar auf fast allen hochgeladenen Animé-Clips nutzt, hier ein Beispiel.  

Dort sieht man auch schon, wie es funktionieren wird: Im Browser erscheint bei MouseOver die übliche Menüleiste, über das Zahnrad mit den Videoeinstellungen lässt sich dann unter dem neuen Punkt „Audiotrack“ eine Auswahl an Sprachversionen öffnen. In der App tippt man auf das laufende oder pausierte Video und ruft die Einstellungen dann über die drei Punkte in der oberen rechten Ecke auf. 

Der Youtube-Kanal von Netflix-Anime weißt bereits eine Einstellung für „Audiotrack“ aus. Damit können verschiedene Sprachversionen eingestellt werden.

 

Diese Neuerung könnte für viele international agierende Unternehmen ein Meilenstein sein. In Kombination mit den schon länger bekannten Features, die es erlauben, eigene Sprachversionen für Titel, Beschreibung und Untertitel eines Videos anzulegen, bedeutet dies nun, dass einzelne Kanäle für unterschiedliche Sprachräume bald endgültig der Vergangenheit angehören könnten. Für Viele dürfte es zunächst noch zu klärende Rechtefragen mit internationalen Distributoren geben. Diese sollten jetzt angegangen werden. 

Was beachtet werden sollte

Noch ist allerdings Zeit: Die Erfahrung zeigt, dass größere und kleinere Probleme den Rollout von Features gerne mal über Monate, im Extremfall sogar Jahre verzögern können, selbst wenn sie in der Beta scheinbar gut funktioniert haben. Jetzt schon damit zu planen, wäre also verfrüht. Außerdem gibt es noch ein großes Aber: In der ersten Version des Tools müssen unseren Informationen zufolge alle Tonspuren direkt mit dem Video auf YouTube hochgeladen werden. Das nachträgliche Anliefern neuer Tonspuren ist eine Funktion, mit der erst in Zukunft gerechnet werden sollte. Frühestens dann wird es auch möglich sein, bereits existierende Videos um weitere Sprachversionen zu erweitern. 

Für die allgemeinen Nutzer*innen wird das Feature zunächst aber vor allem interessant sein, um Kommentartracks mit Erklärungen und MakingOf-Anekdoten zu ihren Videos hochzuladen. Spannend sollte für dokumentarische oder Sport-Videos auch die Möglichkeit sein, einen Off-Screen-Kommentar an- und auszuschalten. Langfristig können auch völlig neue Erzählformen mit unterschiedlichen Tonspuren auf demselben Video geschaffen werden, der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. 

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