WM 2018 – Mit Fußball erfolgreich auf YouTube: Manu Thiele im Interview

Im Fernsehen kommentiert er bereits WWE SmackDown auf ProSieben MAXX und auf YouTube startet Manu Thiele gerade mit Fußballvideos durch. Auf seinem gleichnamigen YouTube-Kanal zeigt der Sportjournalist, dass er auch von Fußball jede Menge versteht und bringt seinen Zuschauern den Sport in Analysen und unterhaltsamen Videos näher. Doch wie nutzt man die anstehende Fußball-WM als YouTuber am besten aus? Und ist die Fußball-Nische für Kooperationen mit Unternehmen überhaupt interessant?

Wir haben Manu Thiele getroffen und ihm diese und Fragen zur Fußball WM 2018 gestellt.

Magst du dich einmal kurz vorstellen, wer du bist, was du machst, wo du herkommst?

Ich bin Manu Thiele, auf YouTube mit Fußball-Content unterwegs, aber breit aufgestellt als ausgebildeter Sportredakteur im Hörfunkbereich, Moderator und auch freier Videojournalist. Auf YouTube bin ich eben unterwegs, um ein bisschen über Fußball zu sprechen. Jetzt im Hinblick auf die WM natürlich über die ganzen Nationalmannschaften. Da freue ich mich natürlich, weil das eine wilde Zeit ist – die Zeit, auf die man vier Jahre wartet.

Als YouTuber im Fußball-Bereich bereitet man sich auf die anstehende WM 2018 ja sicherlich schon lange Zeit vor. Wie sah das bei dir aus?

Ja genau, natürlich wird das ganze Jahr überlegt,  was man zur Weltmeisterschaft machen kann und wie man bis zur Weltmeisterschaft eine Community an den Start bekommt, die auch die Videos nach oben bringt im Algorithmus auf YouTube. Das ist ja ein ganz entscheidender Punkt. Der Community-Aufbau war dementsprechend in Hinblick auf die Weltmeisterschaft durch die Bundesliga, durch die Champions-League, durch die ganzen internationalen Wettbewerbe sehr wichtig. Die WM ist quasi die Krone, ganz oben, da musst du sein.

Wie sieht es zur WM dann mit Live-Formaten aus? Hast du da etwas geplant?

Das wird sich zeigen. Also, klar, live ist auch ein wichtiger Punkt. Das mache ich ja jetzt auch schon jede Woche und es kommt ja super an und live ist die Zukunft. Auf YouTube, auf Facebook, auf Instagram – überall gibt es Live-Inhalte und die Leute wollen ja auch mit dir interagieren. Und in einem Video hast du natürlich deine Kommentarsektion, nur das ist jetzt auch nicht zwingend das Beste, was geht. Wenn du dann live Fragen beantworten kannst oder live Kommentare von den Zuschauern vorlesen kannst, dann freuen die sich, und dann ist natürlich auch die Interaktionsrate deutlich höher.

Klar, das ist natürlich auch gut für das Ranking und den YouTube-Algorithmus. Was braucht es eigentlich, um auf YouTube über Fußball zu sprechen?

Die Sache ist die: wir sind Fans, wir schauen uns den Fußball an, das macht uns aber nicht automatisch zu Experten. Auf Youtube ist es so, jeder kann ein Video hochladen, jeder kann über Fußball sprechen und ich will überhaupt nicht sagen, „du darfst es nicht, du darfst es nicht, nur ich darf es“, um Gottes Willen, darum geht es auch überhaupt nicht. Nur das Fußballspiel an sich ist extrem komplex. Ob ein Spieler einen Meter zu weit vorne oder hinten steht, das kann ich nicht bewerten ud das würde ich mir auch nie rausnehmen, weil ich einfach nie Profifußball gespielt habe – dafür gibt es die Experten im Fernsehen.

Was ich bewerten kann ist den Menschen mit Menschenkenntnis. Und ich denke, das kommt auch in der heutigen Sportberichterstattung ein bisschen zu kurz. Mittlerweile sind Spieler dort ja einfach nur Maschinen. Der eine steht ein bisschen weit vorne oder hinten, aber der Mensch dahinter – wieso steht er denn da? – das wird mittlerweile nicht mehr belichtet. Und diesen Blickwinkel versuche ich zum Beispiel auf YouTube so ein bisschen in den Vordergrund zu rücken. Und so mal von dieser klassischen Berichterstattung, die wir im Fernsehen, oder auch im Radio haben, wegzugehen, die ja doch so ein bisschen in die Jahre gekommen ist.

Wie schätzt du denn die zukünftige Entwicklung von YouTube im Sport-Bereich ein? Werden irgendwann vielleicht sogar exklusiv Spiele live bei YouTube übertragen werden?

Exklusiv nicht, aber es gibt ja schon mittlerweile sehr viele Sportübertragungen. Ich erinnere mich an das Champions-League Finale vor einem Jahr. BN Sports hat das live in UHD auf YouTube ausgestrahlt, und wenn man wirklich junge Leute erreichen will, muss man auf YouTube gehen.

Sport1 hat das super erkannt. Die zeigen jedes Regionalliga- oder Frauen-Spiel jedes Mal auch auf YouTube parallel, mit dem großen Vorteil: Im Fernsehen hast du natürlich den größeren Bildschirm, das Bild ist komplett ruckelfrei, aber auf YouTube hast du die Interaktion und du hast den Live-Chat mit dabei. Und es geht unglaublich ab bei Sport1. Die Zahlen schießen in die Höhe und das ist definitiv die Zukunft, klar! Alleine glaube ich nicht, weil du natürlich auch eine andere, eine ältere Zielgruppe erreichen willst, und die wirst du über kurz oder lang nicht auf YouTube bekommen.

Kommen wir kurz noch einmal auf das Thema Influencer und Marken im Fußball-Bereich auf YouTube zu sprechen. Wie ist da deine Einschätzung der aktuellen Situation?

Schwierig, sehr schwierig. Es gibt Leute, die werben für alles, sagen wir es mal so. Es gibt einen Kanal, die haben für Rum-Bier mal Werbung gemacht, also Bier mit Rumgeschmack. Da frage ich mich: „Du hast eine junge Zielgruppe. Ab 18, vielleicht schon ein bisschen drunter, 16, 17, 18. Muss ich da für Alkohol Werbung machen, um meinen Fußballcontent zu finanzieren?“ Dass dieses Unternehmen auf die zugekommen ist, finde ich völlig legitim. Aber als Creator hat man seine eigenen Entscheidung zu verantworten und sollte daher ganz genau überlegen, was man macht.

Was könnten deiner Meinung nach Unternehmen denn besser machen, um zukünftig auch Kooperationen zu fahren, die wirklich zur Zielgruppe des jeweiligen Influencers passen?

Naja, man muss halt auf die Glaubwürdigkeit des Influencers achten. Denn, ganz ehrlich, wenn sich jemand auf den Fußballplatz stellt und sagt: „Jo, alter, isch hab‘ da ein‘ App gefunden“, da frage ich mich, warum macht der denn hier gerade Werbung? Was ist denn der Mehrwert davon? Das muss halt schön in ein Video eingebettet sein und es sollte auch zum Thema passen. Wenn ich jetzt zum Beispiel ein Placement mit Bank xy mache über den FC Bayern, dann sollte diese Bank ja auch irgendwie mit dem FC Bayern verbunden sein.

Deswegen immer auf die Qualität des Contents der YouTuber achten und zwar abgesehen von dem Video, was man selbst als Marke umsetzen möchte. Und nicht nur auf Zahlen wie die Abonnenten schauen. Das wäre meine Bitte. Es gibt genug Leute, die mit dem Geld, das sie durch diese Kooperationen bekommen, wieder geilen Content für die nächsten Wochen und Monaten erstellen können und andere stecken es sich in die Tasche, machen irgendwie ein 5-Minuten-Video und kriegen da Betrag X für.

Letzte Frage: Welche Fußball-Kanäle außer deinem eigenen kannst du denn noch auf YouTube empfehlen?

Also was sehr gut ist, ist natürlich der Marktführer, Kick11. Das ist einfach von der Produktion sehr, sehr gut. Ansonsten von den Vereinen, einen guten Internetauftritt, mal abgesehen von YouTube, hat die Hertha. Die haben jetzt auch ein Start Up gegründet in Berlin, setzten es auch wirklich auf sehr innovative Weise um, das Medienthema, machen einen Mix aus Information und Entertainment. Sie sind auch ein Vorreiter, was die ganzen Geschichten angeht.

Bei YouTube verfolge ich ehrlich gesagt die wenigsten. Da wird halt auf Masse gesetzt bei den ganzen Medienunternehmen und dadurch verliert sich schnell das einzelne Thema. Es wird halt wie eine weitere Plattform bedient mit zehn Videos am Tag. Das kann man so machen und bringt in der Fülle natürlich die Klicks, trotz alledem ist es halt dann Quantität statt Qualität und das zieht sich durch den Fußballcontent mittlerweile durch. Wenn du über Fußball sprichst, kann es sein, dass das Video in drei Tagen wieder komplett veraltet ist, weil es neue Entwicklungen gibt. Dementsprechend musst du viel Content produzieren, um schnell zu wachsen. Und du musst halt irgendwie einen Mittelweg finden, um tiefgründig zu sein, aber gleichzeitig auch möglichst viele Leute anzusprechen.

Vielen Dank für das Interview Manu!

Das Interview führten Lena Fiebig und Kwink Kurze..

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