Änderungen am Partnerprogramm: Fluch oder Segen für die YouTube-Gemeinde?

Vergangene Woche kündigte YouTube wieder einmal Änderungen am eigenen Partnerprogramm an und verschärfte damit innerhalb eines Jahres ein zweites Mal die Voraussetzungen für die Monetarisierung auf der eigenen Plattform. Alle Informationen zu den nun geltenden Regeln sowie deren Vor- und Nachteile haben wir für euch zusammengefasst.

Seit vergangener Woche ist es offiziell: Nachdem im April 2017 erstmals 10.000 Views als Aufnahmekriterium in das YouTube-Partnerprogramm festgelegt wurden, wurden die Bedingungen nun noch einmal deutlich verschärft. Kanäle, die neu in das Partnerprogramm aufgenommen werden wollen, müssen ab sofort über mindestens 1.000 Abonnenten sowie eine Wiedergabezeit von über 4.000 Stunden in den vergangenen 12 Monaten verfügen. Zudem werden Anträge für die Aufnahme in das YouTube-Partnerprogramm fortan manuell geprüft.

Wieso nimmt YouTube die Änderungen vor?

Die Änderungen an den Bedingungen für das YouTube-Partnerprogramm begründet Google unter anderem damit, dass 2017 die Einnahmen sowohl für die Nutzer als auch die Plattform im Rahmen der Adpocalypse stark einbrachen. Schuld daran waren wenige Nutzer, die ihre nicht werbefreundlichen Videos nicht als solche kennzeichneten. Unternehmen beendeten infolge der dadurch ausgelösten Presseberichte ihre Werbemaßnahmen auf YouTube, was die Werbepreise sowie die Einnahmen aller YouTuber stark nach unten drückte.

Höhere Aufnahmebedingungen und die manuelle Überprüfung sollen nun dabei helfen, solche schwarzen Schafe auszusortieren, und werbenden Unternehmen ein gutes Umfeld zu bieten. So möchte man Skandale vermeiden und professionellen YouTubern, die auf stetige Einnahmen angewiesen sind, eben diese garantieren.

Was passiert mit kleinen Kanälen?

Wie schon bei der Änderung im April 2017 sind auch dieses Mal leider viele kleinere YouTube-Kanäle negativ betroffen, da auch diese die neuen Anforderungen ab dem 20. Februar 2018 erfüllen müssen, falls sie im YouTube-Partnerprogramm verbleiben wollen. Google spricht davon, dass ganze 99 Prozent der von den geänderten Kriterien betroffenen Kanäle weniger als 100 US-Dollar pro Jahr und immerhin noch 90 Prozent unter 2,50 US-Dollar pro Jahr verdienen, dennoch sind auch einige Nutzer betroffen, bei denen die Einnahmen bislang spürbar waren.

So entzieht Google mit den Änderungen kleineren YouTube-Kanälen nicht nur die Wertschätzung ihrer Arbeit, sondern auch die geringen Einnahmen, welche bislang häufig direkt in die Verbesserung der eigenen Video-Qualität flossen. Bereits ab Jahreseinnahmen von 50 US-Dollar kann man beispielsweise durch den Kauf eines neuen Mikrofons die eigenen Videos verbessern, mehr Zuschauer anziehen und damit das eigene Wachstum erhöhen. Klar, unter den 90 Prozent mit Einnahmen von unter 2,50 US-Dollar pro Jahr dürfte sich wohl kaum jemand aufgrund des Geldes beschweren – dennoch straft Google bei der schieren Masse an Nutzern auch jene Einzelfälle mit ab, für die die Erlöse aus dem YouTube-Partnerprogramm bemerkbar waren.

Und die Großen kommen einfach so davon?

Doch auch die großen YouTube-Kanäle werden nicht verschont: Aufgrund der zurückliegenden Skandale rund um PewDiePie und Logan Paul werden ab sofort alle Videos von Teilnehmern des Google Preferred-Programms manuell auf ihre Werbefreundlichkeit überprüft. Offen steht jenes besonders großen Kanälen auf YouTube, die nach ihrer Annahme gesondert vermarktet werden. Teilnehmer des Google Preferred-Programms erzielen höhere Werbeeinahmen, dafür muss Google allerdings auch eine gewisse Qualität sicherstellen. Das soll nun durch die manuelle Kontrolle erreicht werden.

Obwohl die manuelle Überprüfung sämtlicher Videos der Google Preferred-Partner einen hohen Personalaufwand mit sich bringt, dürfte sich dieser Schritt für YouTube lohnen. Weitere Skandalvideos, die auch in den Massenmedien totdiskutiert werden, könnten dem Ansehen der Plattform stark schaden und weitere negative Ereignisse wie die Adpocalypse auslösen.

YouTube-Partnerprogramm: Fairness gibt es nur für die Großen

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass die Änderungen am YouTube-Partnerprogramm und dem Google Preferred-Programm nachvollziehbar und prinzipiell auch sinnvoll sind. Schafft es YouTube schwarze Schafe aus der Vermarktung zu verbannen, steigen die Einnahmen all jener YouTuber, die ihre Inhalte regelgemäß als werbe(un)freundlich kennzeichnen.

Während bei den großen Kanälen aus dem Google Preferred-Programm allerdings eine für alle beteiligten Personen zufriedenstellende Lösung gefunden werden konnte, nimmt man bei den kleinen den Kollateralschaden in Form der nun vorherrschenden Demotivation vieler YouTuber in Kauf. Vermutlich wird sich der Missmut bald schon wieder legen, allerdings ist es nun noch schwieriger, sich bei YouTube zu etablieren. Ob Google hier zukünftig noch einmal Änderungen zur Förderung kleinerer Kanäle nachreichen wird, bleibt abzuwarten.

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